Oboe und Englischhorn

Kurzinfo

frühestes
Einstiegsalter ca.:
ab 8 Jahre (mit speziellen Kinderinstrumenten)
Eingangs-
voraussetzungen:
Der vorherige Besuch der MFE und Instrumentalunterricht in einem anderen Fach oder die MGA und das Instrumentenkarussell werden empfohlen.
Unterrichtsformen: Gruppenunterricht, Partnerunterricht und Einzelunterricht.
Dozenten: Andrea Neumann-Heyme
musikalische Betätigungsfelder: Kammermusik, gemischte Ensembles, Holzbläserensembles, Blasorchester, Sinfonieorchester
Instrumente: Einige Mietinstrumente können für den Anfang über die Musikschule zur Verfügung gestellt werden. Vor Anschaffung eines eigenen Instruments sollte unbedingt ein Beratungsgespräch mit dem Fachlehrer stattfinden.

Information zum Instrument

Die Oboe ist ein Holzblasinstrument. Aufgrund ihres Doppelrohrblattes zur Tonerzeugung zählt die Oboe zu den Unterbrechnugs-Aerophonen. Der Korpus ist etwa 65 Zentimeter lang und hat eine konische Bohrung. Er besteht aus Oberstück, Unterstück und Schallstück. Die Teile sind durch Zapfen verbunden und werden aus Grenadill, Buchsbaum oder Ebenholz gefertigt. Ober- und Unterstück beherbergen den Großteil der Mechanik: 6 der Tonlöcher werden direkt mit den Fingern verschlossen, die restlichen 16 mit Klappen. Die heute vorherrschende Klappenmechanik ist das französische Conservatoire-System von Fréderic Triébert 1875 in Paris entwickelt.

Man unterscheidet zwischen den voll- und halbautomatische Oboen. Bei den halbautomatischen Oboen ist für die erste und zweite Oktavklappe je ein Hebel vorhanden. Bei den vollautomatischen Oboen existiert für beide Oktavklappen nur ein Hebel. Die vollautomatische Mechanik ist in Deutschland und in den Niederlanden besonders verbreitet, die halbautomatische Variante ist in den USA und Frankreich beliebter. Mit halbautomatischen Oboen lassen sich vor allem im oberen Tonbereich von c“‘ aufwärts mehr alternative Griffe für die einzelnen Töne finden, die mehr verschiedene Klangfarben und ein differenzierteres Spiel ermöglichen. Zusätzlich zu den normalen Klappen existieren auch Trillerklappen für die Verbindungen c“-d“, c“-cis“, as‘-b‘ und jeweils eine Oktave höher, die sonst nicht sauber zu bewältigen wären.

Die Oboe gehört zu den ältesten Blasinstrumenten und hat ihre Vorläufer im griechischen Aulos und der römischen Tibia. Sie hat sich aus der mittelalterlichen Schalmei entwickelt. An der Entwicklung der Oboe hatte Frankreich einen wesentlichen Anteil. Dort wurde das Instrument „Hautbois“, d.h. – hohes Holz – genannt. Die Conservatoire-Oboe – besser bekannt als Französische Oboe – wurde im 20. Jahrhundert international zum Standard. Die ausschließlich in Wien gespielte Wiener Oboe, die ihr Klang- und Erscheinungsbild seit der Wiener Klassik bewahrt hatte, entwickelte sich unabhängig von der Französischen Oboe. Das Schallstück ist bei der Französischen Oboe leicht ausladend, bei der Wiener Oboe birnenförmig.

Die heute in Österreich gespielte Wiener Oboe geht auf ein Modell des Dresdener Instrumentenbauers Carl Golde (1803–1873) aus den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts zurück. Sie verfügt noch über die klassische Korpusform – den ausladenden Schallbecher, den Baluster am Oberstück und die Erweiterungen an den Zapfenverbindungen. Das Rohr der Wiener Oboe ist konischer gebohrt und kürzer als das der Französischen Oboe. Die an die deutsche Oboe angelehnte Mechanik wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts verbessert und erweitert.

Mit dem Bruch der Tradition von der bisherigen Bauweise waren nicht alle glücklich. Vor allem die Verengung der Bohrung konnte sich in Deutschland nicht durchsetzen. Dies führte dazu, dass die Oboe in Deutschland eine parallele Entwicklung durchlief wie in Frankreich. Auch in Deutschland erkannte man, dass die Oboe nur durch eine verfeinerte Mechanik den Ansprüchen gerecht werden konnte. Die deutschen Instrumente wiesen jedoch eine weitere Bohrung und ein anderes Griffsystem auf als die Konservatoriums Oboen. Obschon sich in der restlichen Welt die französische Oboe durchgesetzt hat, blieben die Deutschen bis ins 20. Jahrhundert ihrem eigenen Modell treu. Heute führt die Weiterentwicklung der deutschen Oboe, die Wiener Oboe, ein Nieschendarsein und wird zum Beispiel noch von den Wiener Philharmonikern verwendet. Da dieses Instrument nur in kleiner Auflage produziert wird, verschwand sie 1949 beinahe. Es entstanden verschiedene Schulen, die eine unterschiedliche Vorstellung des perfekten Oboenklangs entwickelten. Die französische und die deutsche Schule wichen erheblich voneinander ab (teilweise noch heute).

Zur Tonerzeugung wird das Doppelrohrblatt von den Oboisten zwischen die Lippen genommen und angeblasen, wodurch die beiden Rohrblätter gegeneinander in Vibration versetzt werden. Sie öffnen und schließen sich sehr schnell und geben so stoßweise Energie an die Luftsäule im Inneren des Instruments ab, welche zum Mitschwingen angeregt wird. Die kontrollierte und gefühlvolle Ausübung dieses Vorgangs macht gute Oboisten aus. Zur Erzeugung der verschiedenen Tonhöhen wird primär der Klappenmechanismus genutzt. Die Oboe überbläst in die Oktave. Die Oktavklappen ersetzen weitgehend die Technik des Überblasens.

Das Mundstück der Oboe, kurz „Rohr“ genannt, wird vom Oboisten aus Pfahlrohr gefertigt. Das Holz stammt aus der Region um Avignon (Südfrankreich) oder aus Kalifornien, wo es auf eigens für diesen Zweck betriebenen Plantagen angebaut wird. Die Klangqualität und Ansprache des Oboentons und damit das spielerische Niveau des Oboisten hängen in starker Weise von der Qualität des verwendeten Rohrholzes sowie der sorgfältigen Fertigung des Oboenrohrs ab.

Der Tonumfang der Oboe reicht meistens vom kleinen b bis zum a“‘, je nach Modell beginnt der Tonumfang auch beim kleinen a oder beim kleinen h. Mit einer speziellen Ansatztechnik, der sogenannten ‚Beißtechnik‘, bei welcher der Oboist die oberen und unteren Zähne auf die Grundlinie der Schabung des Mundstücks auflegt und somit einen viel kürzeren Teil des Rohres zum Schwingen bringt, sind noch höhere Töne bis zum c““ oder sogar a““ spielbar.

Die erste verzeichnete Verwendung der Oboe ist in der Oper Pamone von Robert Cambert (1628-1677) zu finden. Wurde die Oboe im 19. Jahrhundert fast ausschließlich im Orchester eingesetzt, so entdeckten sie die Komponisten des 20. Jahrhunderts wieder als Soloinstrument. Dies war zu einem Großteil das Verdienst der herausragenden Oboisten Leon Goossens (1897–1988), der einige spieltechnische Erleichterungen etablierte (Zwerchfellatmung, lockeren Ansatz) und Heinz Holliger (* 1939), der unzählige neue Spieltechniken propagierte. In modernen Orchestern werden meist drei Oboisten besetzt (zwei Oboen, ein Englisch Horn). Im Orchester kommt der Oboe eine besondere Aufgabe zu: Sie gibt seit dem 19. Jahrhundert den Stimmton an.

Das Englischhorn ist das Alt-Instrument aus der Familie der Oboen. Die Tonerzeugung erfolgt auch hier durch ein Doppelrohrblatt. Das Instrument endet in einem birnenförmigen Schallbecher. Das Englischhorn ist in f, also um eine Quinte tiefer als die Oboe, gestimmt. Der Name hat wahrscheinlich seinen Ursprung in der französische Bezeichnung cor anglé (abgewinkeltes Horn), die sich zu cor anglais („englisches Horn“) gewandelt hat; denkbar ist auch, dass sich der Name aus „Engels-Horn“ entwickelte (Engel spielen auf sakralen Bildern Hörner, die an das Englischhorn erinnern).

Es muss davon ausgegangen werden, dass das Englischhorn – wie alle Oboeninstrumente – zunächst in Frankreich und zwar als Weiterentwicklung der Altoboe in f, der sog. „taille de hautbois“ entstanden ist. Sowohl die Oboe als auch das Englischhorn sind seit der Barockzeit beliebte Soloinstrumente und gehören zu jedem Symphonie- und Blasorchester dazu.

Das Englischhorn war im späteren 18. Jahrhundert die führende Tenoroboe und die einzige, die während des gesamten 19. und 20. Jahrhunderts in Gebrauch war. Henri Brods Instrument mit geradem Korpus, das cor anglais moderne aus dem Jahr 1830, wurde schließlich das bevorzugte Modell, das, von François Loree überarbeitet, bis heute das Standardmodell geblieben ist.

Es kann nicht überraschen, dass die meisten Englischhörner in Städten hergestellt wurden, in denen die Italienische Oper gepflegt wurde. So wird deutlich, dass die Oper den Bedarf an diesen Instrumenten weckte. Die Verwendung des Englischhornes, entweder solistisch oder in Paaren, im italienischen Opernorchester war ein wesentliches Kriterium für seine Geschichte ab dem späten 18. Jahrhundert. Das Englischhorn setzte seine Wanderung durch Europa mit Hilfe der Italienischen Oper fort.